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Neu ausgerichtet und umbenannt: Projektgruppe Dialog und Sicherheit

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Erstes Treffen am 23. Oktober im Pfalzklinikum

Dr. Frank Claus moderierte das erste Treffen mit neuer inhaltlicher Ausrichtung im Pfalzklinikum.

Klingenmünster. Mit neuem Namen und neuer inhaltlicher Ausrichtung traf sich am Dienstag, 23. Oktober, erstmals die ehemalige Projektgruppe Dialog und Sicherheit in der Aula des Pfalzklinikums am Standort Klingenmünster. Unter „Pfalzklinikum im Gespräch – Wir im Trialog“ finden künftig halbjährliche Treffen statt. Eingeladen sind Multiplikatoren, Interessierte, Verantwortliche, Betroffene und Angehörige der Region rund um das Pfalzklinikum. Im neuen offenen Format sollen wechselnde Themen aller Einrichtungen des Pfalzklinikums besprochen und präsentiert werden. Teilnehmende können sich jederzeit mit eigenen Themenwünschen einbringen.
Im ersten Termin erklärte Dr. Frank Claus, iku Dortmund, die neue Ausrichtung und interviewte Paul Bomke, Pfalzklinikum-Geschäftsführer, und Dr. Sylvia Claus, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Klingenmünster und stv. Ärztliche Direktorin, zum neuen Konzept. Hierbei wurde deutlich, dass die veränderte Ausrichtung vor allem aufgrund der Parallelstruktur zum Beirat des Maßregelvollzugs, der seit Juli 2016 auf Grundlage des rheinland-pfälzischen Maßregelvollzugsgesetzes gebildet wurde, erforderlich ist. Der Beirat begleitet und unterstützt die Therapieangebote im Dialog mit der Gesellschaft und deren Sicherheitsbedürfnis. Er besteht laut Satzung ebenfalls aus Nachbarn, Nachbargemeinden, Schulen, Vereinen, Kindertagesstätten, der Gemeindepsychiatrie und weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen. Die Chefärztin der Klinik für Forensische Psychiatrie, Dr. Eva Biebinger, und Dr. Michael Brünger, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJP) sind ständige Gäste im Beirat. Um sich konzeptionell davon abzuheben, hat „Pfalzklinikum im Gespräch – Wir im Trialog“ weniger formale Strukturen. Die neue Konzeption greift das Bedürfnis auf, ein (trialogisches) Austauschforum für Verantwortliche des Pfalzklinikums, der umliegenden Gemeinden, Institutionen und der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen zu sein.

„Ich würde mir wünschen, dass die gesamte Region künftig von diesem Treffen profieren kann. Uns ist der Dialog mit Externen sehr wichtig, damit sich jeder Mensch hier wohlfühlt mit unserer Einrichtung, “ so Dr. Sylvia Claus. Paul Bomke ergänzte: „Ich erhoffe mir von den Treffen im neuen Format, dass wir Ideen für neue Angebote bekommen und mit Multiplikatoren und der Zivilgesellschaft in Kontakt bleiben, damit wir aus unserem eigenen Elfenbeinturm herauskommen. Programmatisch neu ist ein öffentlicher Raum, in dem wir den Trialog mit den Betroffenen und ihren Angehörigen ausprobieren können“.

Anschließend erläuterte Dr. Sylvia Claus das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts (vom 24. Juli 2018) zum Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen und beantwortete Fragen der Anwesenden. „Freiheitsentziehende Maßnahmen, also Fixierungen, werden im Pfalzklinikum generell schon ungern und selten eingesetzt. Die neue Rechtsprechung befürworten wir, denn hierdurch entsteht Rechtssicherheit und Klarheit. Bei jeder Fixierung muss jetzt ein Richter als unabhängige Instanz prüfen, ob eine solche zulässig ist. Darüber sind wir froh. Wir beantragen nun eine Unterbringung und auch eine Fixierung eines Patienten individuell voneinander,“ so Dr. Sylvia Claus.

Paul Bomke informierte über das Zukunftskonzept des Pfalzklinikums: „Klassisch geht es in unserem Konzept um den Krankenhaus-Bettenplan. Allerdings ist das für uns eigentlich nicht der richtige Bezugspunkt. Denn es geht im Pfalzklinikum um Angebote und nicht um Betten. Wir können stolz darauf sein, dass das Ministerium unseren Plänen zugestimmt hat. So können wir 10 gerontopsychiatrische Plätze in die Tagesklinik in Kusel integrieren und im Süden eine spezialisierte Tagesklinik mit Demenzschwerpunkt mit 20 Betten anbieten. Die Erwachsenenpsychiatrie in Klingenmünster können wir um 15 Plätze erweitern, um innovative Angebote wie  stationsäquivalente Behandlung (StäB) zu entwickeln. 5 tagesklinische Plätze für Abhängigkeitserkrankungen haben wir erhalten genauso wie 7 weitere Betten für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Klingenmünster. In Kaiserslautern entsteht eine eigene Soteria-Station mit 7 Betten für die Versorgung in der Pfalz, das war mein ganz persönliches Anliegen. In der Neurologie konnten wir unsere Notfallkompetenz darstellen und die Zahl der Betten erhöhen. Wichtig ist uns bei all diesen Planungen, dass wir keine Sonderwelten entstehen lassen, sondern auf Augenhöhe mit internen und externen Akteuren arbeiten.“ Ergänzend stellte Paul Bomke daher die weiteren Entwicklungen in der Gemeindepsychiatrie und im Maßregelvollzug vor.

Weitere Informationen
Die Projektgruppe Dialog und Sicherheit wurde 2001 als Austauschforum mit unterschiedlichen externen und internen Beteiligten gegründet. Konkret waren das Verantwortliche der Polizeiinspektion Bad Bergzabern, des Vereins gemeindenaher Psychiatrie, des Katholischen Kindergartens Klingenmünster, des Evangelischen Kindergartens Klingenmünster, der Grundschule Klingenmünster sowie der Berufsbildenden Schule Bad Bergzabern. Die Bürgermeister der Ortsgemeinden Göcklingen und Klingenmünster, die Verbandsbürgermeister der Verbandsgemeinden Landau-Land, Bad Bergzabern und Annweiler sowie der Landrat des Landkreises Südliche Weinstraße waren ebenfalls beteiligt. Moderiert wurden die Treffen von Dr. Frank Claus, iku Dortmund.